Leben in der Gaußschen Normalverteilung II
Von Gonmag, December 15th, 2009… ein freund hat neulich erzählt, daß die staatlich angestrebte normalverteilung auch auf die wirtschaft abfärbe. die logik sei wohl, daß wenn man alle gleichbehandeln wolle, auch alle gleich sein müßten.
auf meinen fragenden blick erklärte er, daß man offensichtlich nur gleich behandeln könne, was auch gleich sei, was hieße: ordentlich, anständig, pünktlich und deutsch.
herr sarrazin sei ja der meinung, ein kopftuch erfülle nicht den tatbestand eines kleidungsstückes, sondern einer politischen aussage und müsse deswegen verboten werden. “wenn dem so sein sollte”, sagte mein freund, “dann müßten auch palischal, docs, rote schals, und gegebenenfalls auch rote socken verboten werden. natürlich zusätzlich zu kennzeichen der verschiedenen religionen.”
im nächsten schritt würden konzernen die farbrechte zugewiesen, mitarbeiter der telekom wären dann, nätürlich nur, wenn sie im dienst seien, an mangentafarbenen overalls zu erkennen. schwierig wäre es bei der feuerwehr, die schwarzen sheriffs hingegen tragen schon die richtige farbe, sicherheit sei ja ein enorm wichtiges anliegen der christdemokraten.
“geht das nicht ein bißchen weit?”, wollte ich wissen.
“wenn die zugrundeligende idee von herrn sarrazin die einer politisch neutralen kleidung ist, dann führt kein weg daran vorbei”, sagte mein freund. schuluniformen könne man per gesetz auf die gesamtbevölkerung ausdehnen. am besten in briefumschlaggrau, das hätte ja auch die post gerne.
ich sah ihn fragend an.
“die post erhebt strafporto auf bunte umschläge“, erklärte er, wenn nicht gerade das fest der liebe vor der tür stehe. auch briefe haben bitte automatengerecht zu sein, damit alle gleichbehandelt werden könnten.
es ginge also um ordentliche und vor allem gleiche kleidung. “langhaarige kerle, so wie du, passen da natürlich auch nicht rein”, sagte mein freund, “ebenso wie kurzhaarige frauen.” er überlegte kurz und teilte mir seine frage auch gleich mit: “was ist mit den toilettenschildern?” die müßten dann mit buchstaben beschriftet sein, denn heutzutage gingen mehr menschen mit hosen auf die damentoilette als mit röcken.
und wenn er kleidungsstücke verbieten würde, dann wären es sandalen mit socken und jogginghosen außerhalb von wohnung und sport. “vielleicht wäre auch die burka, inklusive alkoholverbot, in unserer bundesrepublik für frauen empfehlenswert“, sinnierte er, “das weib ist ja die wurzel allen übels, stichwort apfel.”
“willst du auch politisch gefärbte äpfel verbieten?”, fragte ich. “die paprika-ampel-koalition für 1 Euro 69?”
“ich will gar nichts verbieten und auch nicht die tigerente umlackieren”, sagte mein freund, “weder kopftuch noch kreuz.” was sei denn schlimm daran, daß sich jemand als religiöser oder politischer mensch zu erkennen gäbe, fragte er.
“die belästigung fängt erst an, wenn ich bekehrt werden soll. egal von wem und keine sekunde früher.”
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Teil I: Leben in der Gaußschen Normalverteilung
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